
Die psychischen Folgen einer Abtreibung für Väter: Eine ignorierte Realität
In einer kürzlich veröffentlichten Studie aus Dänemark wurde eine erschütternde Entdeckung gemacht: Männer, die nach eine Abtreibung ihr Kind verlieren, tragen ein deutlich erhöhtes Risiko, psychische Probleme zu entwickeln. Die Forschung, die am 1. Mai 2024 in der Fachzeitschrift JAMA Network Open publiziert wurde, zeigt, dass Väter von abgetriebenen Kindern – besonders solche ohne psychiatrische Vorgeschichte – ein höheres Bedürfnis nach psychologischer Betreuung und Behandlung aufweisen.
Die Studie bezieht sich auf 192.455 Frauen, die ein ungünstiges Schwangerschaftsergebnis erlebten, darunter Abbrüche, Fehlgeburten, Frühgeburten und Kinder mit gesundheitlichen Problemen. Von diesen Fällen wurden 8.221 Väter, die direkt von einem Schwangerschaftsabbruch betroffen waren, untersucht. Das Ergebnis: Ein Drittel dieser Männer benötigte nach dem Abbruch medizinische Nachsorge, 80 Prozent mussten psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen, und 90 Prozent erhielten Antidepressiva. 40 Prozent der Väter wurden mit Anxiolytika behandelt.
Ein Jahr nach der Abtreibung stieg das Risiko, dass diese Männer Schlafmittel oder Beruhigungsmittel benötigten, um 74 bzw. 79 Prozent. Der Bedarf an psychologischer Betreuung vervierfachte sich fast.
Auch Väter, die eine späte Fehlgeburt des eigenen Kindes erlebten, zeigten eine höhere Wahrscheinlichkeit, Schlafmittel zu verschrieben zu bekommen.
Trotz der beeindruckenden Ergebnisse betonen die Forscher, dass die tatsächliche Zahl möglicherweise noch höher ist. Viele Väter hätten psychische Symptome, ohne Hilfe zu suchen, oder erhielten keine angemessene Behandlung.
Die Studie hebt hervor, dass es unerlässlich ist, die psychologischen Auswirkungen von Abtreibungen auf Väter stärker zu berücksichtigen. Auch wenn der Fokus traditionell auf den Müttern liegt, wird immer deutlicher, dass der Verlust eines Kindes auch für Väter eine enorme emotionale Belastung darstellt.
In Reaktion auf diese Ergebnisse hat das „Men and Abortion Network“ (MAN) eine Website ins Leben gerufen, die speziell Väter anspricht, die nach einem Abbruch mit psychischen Herausforderungen kämpfen, sowie Menschen, die ihnen helfen möchten.
Die Erkenntnisse dieser Studie sind ein Aufruf an die medizinische Gemeinschaft, die Bedürfnisse von Vätern nach einer Abtreibung stärker zu berücksichtigen und die bestehenden Unterstützungsstrukturen zu verbessern. Es ist Zeit, dass auch die männliche Seite der Abtreibung ernst genommen wird, um allen betroffenen Eltern zu helfen, mit ihrer Trauer und ihren Ängsten umzugehen.