Linksextremistische Gewalt in NRW steigt rasant
(PM Innenministerium NRW vom 25. Februar 2026) Das Ministerium des Innern teilt mit: Minister des Innern Herbert Reul hat am Mittwoch, 25. Februar 2026, zusammen mit dem Leiter des Verfassungsschutzes, Jürgen Kayser, das Lagebild zum Linksextremismus in Nordrhein‑Westfalen vorgestellt. Auf rund 100 Seiten beschreibt der Bericht Strukturen, Strategien und aktuelle Entwicklungen der linksextremistischen Szene. Nach dem Lagebild Islamismus (2024) und dem Lagebild Rechtsextremismus (2025) handelt es sich um das dritte Lagebild, das der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen gesondert zu einem Extremismusbereich vorlegt.
Minister Reul: „Dieses Lagebild macht den Linksextremismus transparent, in Strukturen und Aktivitäten. Wir sehen: Die Gewaltbereitschaft im Linksextremismus hat deutlich zugenommen. Die Taten werden brutaler, professioneller, persönlicher. Kollateralschäden werden im Namen eines vermeintlich höheren Ziels in Kauf genommen. Daher brauchen wir einen guten Überblick über die Lage. Wie jede Form des Extremismus tritt auch der Linksextremismus unsere Art zu leben mit Füßen. Wer unsere Gesellschaftsordnung ablehnt und aktiv gegen sie kämpft, ist eine Gefahr. Unsere Sicherheitsbehörden haben alle Feinde unserer Demokratie im Blick.“
Aus dem Lagebild geht hervor, dass linksextremistische Angriffe und Sabotageakte gegen Einrichtungen der Kritischen Infrastruktur ebenso wie Gewalt auf der Straße, insbesondere gegen den politischen Gegner und gegen die Polizei, zugenommen haben. Im Vergleich zu anderen Bundesländern sind die Strukturen in Nordrhein-Westfalen zwar noch nicht so ausgeprägt, aber sie werden vielfältiger – Linksextremismus in Parteien und deren Umfeld über kommunistische Kleingruppen bis hin zu autonomen Szenen, die teils auch Kampfsport als „Selbstschutz“ nutzen. Wie Extremisten aus anderen Phänomenbereichen setzen auch Linksextremisten stark auf soziale Medien, gemeinsame Aktionen und ein „Lifestyle“-Image, um vor allem Jugendliche und junge Erwachsene anzusprechen. Dazu gehört auch eine Mischung aus klassischer kommunistischer Symbolik und moderner Jugendkultur. Inhaltlich weitet die Szene ihre Themen aus. Neben Klimaschutz stehen inzwischen viele Krisen gleichzeitig im Fokus.
Laut vorläufiger Zahlen haben im vergangenen Jahr die linksextremistischen Straftaten in Nordrhein Westfalen zugenommen, auf insgesamt über 2.400 Fälle, mehr als doppelt so viele wie 2024 (1.187). Gewaltdelikte sind deutlich gestiegen (2024: 86; 2025: 153), darunter vor allem Körperverletzungsdelikte und Widerstandshandlungen gegen die Polizei. Besonders auffällig ist die Zunahme der Sachbeschädigungen, die sich innerhalb eines Jahres deutlich mehr als verdoppelt haben (2024: 488; 2025: 1.190).
Zugenommen haben auch gezielte Angriffe auf die Kritische Infrastruktur – etwa Sabotageakte an Bahnstrecken, Stromleitungen und Anlagen großer Unternehmen. 2025 gab es insgesamt sechs erfasste Angriffe bzw. Sabotageakte auf Kritische Infrastruktur der Bahn (2024: 2), die dem linksextremistischen Spektrum zugeordnet werden können. Dazu gehören unter anderem ein Brandanschlag auf die Bahnstrecke Duisburg-Düsseldorf Ende Juli 2025 sowie eine Serie von Brandanschlägen auf drei Funkmasten in Langenfeld, Erkrath und Hilden im Mai 2025.